Coming Of Age vom Feinsten
Filmkritik

Quelle: Universal Pictures

Von dem Regie-Erstling „Lady Bird“ von Greta Gerwig las ich zum ersten Mal vor einigen Monaten, im Zusammenhang mit den Oscars 2018. Der scheinbar typische Jugendfilm war für 5 Männchen nominiert und erweckte so meine Neugierde. Letzens hab ich ihn mir schliesslich, selbstverständlich in Originalsprache Englisch, angesehen und war – wie könnte es anders sein – vollends begeistert.

Es war einmal in Sacramento…

Christine McPherson – von sich selbst getauft unter dem Namen „Lady Bird“ – ist willensstark und temperamentvoll. Ausserdem ist sie jung, launisch und hat die Nase gestrichen voll von ihrem Heimatort Sacramento in Kalifornien. Sie möchte raus aus dem traurigen Loch und am liebsten in New York studieren. Ihrer Mutter, die nach der Entlassung von Lady Birds Vater das Geld nach Hause bringen muss, gefällt diese Entscheidung kein bisschen. Mutter und Tochter geraten immerzu in Konflikte, schreien, sind stumm, umarmen sich und schätzen einander. Währenddessen erlebt Lady Bird ihre erste Liebe, den ersten Streit mit ihrer besten Freundin, sie besucht das Schultheater, schliesst sich den ganz coolen der Schule an, lügt und gesteht und versucht auf einem holprigen Pfad, zwischen Selbstzweifel und Kummer und Angst, den Weg zu finden, der für sie bestimmt ist.

Ein typischer Coming of Age Film wie ihn Amerika schon hunderte Male zuvor produziert hat. Wie typisches Oscar Material wirkt das Thema nicht, und doch hat die Regisseurin etwas geschaffen, das tiefer reicht, als oberflächliches gezicke einer 18-Jährigen.

Typisch Coming of age

Eigentlich ist „Lady Bird“ ein Film, wie wir ihn seit Jahrzehnten immer wieder im Kino sehen (und sehen werden). Gleichzeitig ist er das auch nicht. Der Film basiert auf einigen biografischen Fakten, denn wie Lady Bird ist auch Greta Gerwig in Sacramento aufgewachsen und anschliessend nach New York gezogen. Bemerkenswert ist die Darstellung zwischen Mutter und Tochter. Während in anderen Filmstreifen dieser Genre ganz und gar auf die Gefühle der Jugendlichen hinzielen und Eltern meist als dumm und altmodisch dargestellt werden, ist dies in Lady Bird nicht der Fall. Im Gegenteil: Mrs. Marion McPherson gespielt von Laurie Metcalf lässt Mütter daran erinnern, wie sie sich in ihrer Rolle fühlen.

Mit Saoirse Ronan als Lady Bird hat die Regisseurin einen Trumpf gelandet. Die ursprüngliche Irin verkörpert die Protagonistin gekonnt und authentisch. Zudem könnte man meinen dass Mutter und Tochter auch im echten Leben verbunden sind.

Herzerwärmend, lustig, traurig, emotional, nachvollziehbar und einzigartig in seiner eigentliche typischen und alltäglichen Art.

Nicht gewonnen, aber trotzdem Sieger

Gewonnen hat der „Lady Bird“ keinen der fünf nominierten Oscars. Verdient hätte er alle. Der Film begeistert mit einem – dabei spreche ich von meiner ganz persönlichen Meinung – melancholischen aber schwingenden Soundtrack, mit grossartigen Schauspielerinnen in den Hauptrollen Mutter und Tochter und einer etwas anderen, bemerkenswerten Kameraführung von Sam Levy. Der Film verführt, lässt die Herzen der Jugend höher schlagen, denn Greta hat genau das getroffen, was wichtig ist. Die Achterbahn Fahrt des Erwachsenwerdens. Ebenso freuen sich die Mütter, die mit ihren Töchtern im Kino sitzen und danken Gerwig, dass ihre erzieherische Rolle feinfühlig und nachvollziehbar dargestellt wird.

In der Adoleszenz Film Szene, der beste seit Jahren.

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„avec tout mon cœur.“

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