Ihr Auftrag: Sicherheit
Eine Nacht unterwegs mit der Securitas.

Ein kühler regnerischer Herbsttag geht zu Ende. Die meisten Menschen befinden sich langsam aber sicher auf dem Nachhauseweg. Für Marc Hanimann, Chefredaktor bei tize.ch, und mich, Lynn Rissi, Redaktorin bei tize.ch, geht es zu einer neuen Nachtreportage. Heute dürfen wir ein paar Stunden mit Herrn Tobias Allemann mitlaufen, der seit zehn Jahren bei der Securitas angestellt ist.


Eine Reportage von Lynn Rissi und Marc Hanimann


Es ist 20 Uhr und wir fahren mit unserem Auto auf das Firmengelände ein, welches uns als Treffpunkt angegeben wurde. Ein kleines Securitas-Auto steht bereits vor dem Eingang der Firma, wir werden erwartet. Nach einer kurzen Begrüssung konnte der erste Kontrollgang beginnen. Allemann erklärt gleich zu Beginn, dass das ganze Firmengelände zuerst von aussen kontrolliert werden müsse. Seien alle Fenster und Türen verschlossen, so könne man reingehen. “Für uns ist dieser Schritt der Wichtigste, denn wenn sich Eindringlinge in dem zu kontrollierenden Gebäude befinden, dann müssen wir sofort die Polizei rufen und dürfen nicht mehr reingehen”, erklärt Allemann. Ein zu spätes Bemerken von Eindringlingen könne einem später zum Verhängnis werden. Vom Kunden erhalte Allemann einen Zeitraum, in dem er das Firmengelände kontrollieren müsse. Es gäbe keine regelmässige Zeiten, denn dies würde einem guten Beobachter, sprich Eindringling, das Einbrechen erleichtern.

Mit der Taschenlampe durch die Dunkelheit

Es ist dunkel, es regnet und es ist kalt. Mit seiner Taschenlampe leuchtet Allemann uns den Weg. Es sei üblich, dass man sich nur mittels dieser durch die Dunkelheit fortbewegt, denn so verbrauche man keinen Strom des Kundens. “Es kam schonmal vor, dass die Polizei wegen mir verständigt wurde, da ich das Licht im Gebäude versehentlich angestellt hatte. Als ich dann aus dem Gebäude raus kam, waren alle sichtlich erleichtert, als sie meine Uniform gesehen haben”, so Allemann. Wir laufen einmal um das ganze Gebäude und kontrollieren jegliche Türen, Fenster und Tore. An verschiedenen Stellen scannt Allemann kleine runde Signalknöpfe mit einem Chiplesegerät. Durch diesen Vorgang werden seine bereits abgelaufenen Standorte gespeichert und können am nächsten Tag rapportiert werden. “Dieser Schritt dient der Sicherheit, denn so ist immer klar, wer sich wo zuletzt befand”, erzählt Allemann. In Zukunft müsse man die Signalknöpfe mit dem Handy scannen, wodurch es möglich sei, die Mitarbeiter in Echtzeit zu orten. Ebenfalls für die Ortung, wie auch für die Sicherheit der Mitarbeiter, ist das Melden per Telefon, welches all zwei Stunden obligatorisch sei. Das Handy diene in Zukunft auch als Übermittler jeglicher Informationen über die Kunden. Momentan habe man noch ein kleines “Informationsbüchlein”, in dem Telefonnummern, Firmengelände-Pläne oder Ähnliches zu finden seien. “Ich freue mich auf den ‘Umstieg’ aufs Handy, denn dann muss ich, wenn es zum Beispiel wie heute regnet, nicht darauf achten, dass die Unterlagen nass werden”, meint Allemann. In seiner Schlüsseltasche trägt er alle Schlüssel der verschiedenen Auftraggebern mit sich. “Wenn ich die Tasche verlieren würde, dann ginge ich auf direktem Weg nach Hause, denn der Wert aller Schlüssel liegt bei etwa einer Million”, erklärt er mit einem Grinsen im Gesicht. Neben der wertvollen Tasche trägt er einen Pfefferspray, ein Notfallset und ein Multifunktionswerkzeug mit sich.

“Mein bester Freund arbeitet ebenfalls bei der Securitas.”

Die Karrierechancen bei der Securitas seien gross, sagt Allemann. Begonnen habe er mit 30 Jahren als einfacher Securitas und mittlerweilen ist er Leiter von über 60. Diese seien zum grössten Teil männlich und schon etwas älter. Man achte darauf in diesem Bereich eher erfahrene und ältere Personen einzustellen, für welche der Ausgang keinen allzu hohen Stellenwert mehr habe. Auf Nachfrage von mir, warum es so wenig Frauen habe, antwortet Allemann sogleich: “In diesem Beruf darf man nicht schreckhaft, ängstlich oder unsicher sein und dies ist mehrheitlich bei Frauen der Fall.” Um dies zu überprüfen, werde jeder neue Mitarbeiter, egal ob weiblich oder männlich, in seinen ersten fünf bis sieben Nächten begleitet. So sehe man meistens sehr schnell, ob der Bewerber für diesen Job geeignet sei oder nicht.

Wir befinden uns nun im dunklen, grossen und unheimlichen Gebäude. Es ist still. Bei den ersten Geräuschen schrecken Marc und ich auf. “Im Verlauf des Abends werde sich dies bessern”, meint Allemann schmunzelnd. Die Hauptaufgabe von ihm sei es, Gefahren, wie zum Beispiel Einbrüche, Wasserschäden, Brandschäden o.Ä., zu eliminieren. Er kontrolliert und überprüft jedoch nur das, was er vom Auftraggeber vorgegeben bekommt, bei Änderungen muss dies der Kunde im Voraus melden.

Zu dritt laufen wir die verschiedenen zu überprüfenden Orten im Firmengebäude ab und uns wird erklärt, wie man ein Securitas werden kann. Bei der Bewerbung alleine werde nur schon darauf geachtet, dass das Strafregister und das Betreibungsregister einwandfrei seien, alle 2 Jahre werde dies von der Firma wieder überprüft. Zielgerichtete Lehrgänge und Spezialausbildungen sorgen nach der Bewerbung dafür, dass angehende Securitas in jeder Situation, aus reicher Erfahrung und aktuellem Wissen schöpfen können. “Wir sind für jeden Fall gerüstet, heisst, wir müssen uns mit Heizungen, Küchengeräten, Strom, Gebäudetechniken, erster Hilfe oder rechtlichen Grundlagen bestens auskennen”, so Allemann, der meint, dass dieser Beruf sehr unterschätzt werde. “Viele wissen gar nicht genau, für was wir so zuständig sind”, so Allemann. Es gibt hauptsächlich zwei Bereiche, die Bewachung und der Ordnungsdienst, in denen sie tätig seien. Dem Anspruch, nur die Besten einzusetzen, werde man mit einer sorgfältigen Selektion gerecht, wobei geordnete finanzielle Verhältnisse sowie ein tadelloser Leumund grundlegende Voraussetzungen darstellen. “Wir dürfen uns gegen Bezahlung einen Kaffee aus dem Selecta-Automaten lassen. Es ist uns jedoch, zum Beispiel in der Weihnachtszeit, untersagt, uns bei einem “Guetzli-Teller” zu bedienen”, so Allemann. Nur schon ein Apfel- oder ein “Schöggeli”-Diebstahl reiche als Kündigungsgrund.

Der Kontrollrundgang neigt sich langsam dem Ende zu und wir befinden uns schon wieder an dem Punkt, wo wir unser Auto zu Beginn abgestellt haben. Für uns geht es jedoch noch nicht nach Hause, sondern zu einem weiteren Kunden, der sich im gleichen Revier, jedoch in Steinach, befindet.
Bei Securitas gibt es zwei verschiedene übergeordnete Bereiche: Die Bewachung und der Ordnungsdienst. Tobias ist im Bereich Bewachung tätig. Zurück nach Steinach. Dort angekommen spielt sich der ganze Ablauf von vorne ab: Zuerst wird das Gebäude von aussen kontrolliert. Sind alle Türen, Fenster und Tore geschlossen, so ist es uns erlaubt, hinein zu gehen. Im Gebäude werden die Toiletten, Büros und Gänge nach möglichen Eindringlingen, wie auch Spät-Arbeiter überprüft. Allemann erklärt, dass er, sobald er sich auf einem Privatgelände befinde, die Personalien von den anzutreffenden Personen aufnehmen müsse. Der Kunde legt fest, ob ein normaler Ausweis reicht oder der Firmenausweis vorgelegt werden müsse.“ Jegliche Besucher, auch wenn es nur Spät-Arbeiter sind, werden im Rapport erwähnt, welcher schlussendlich dem Kunden zugestellt wird. Je nach Dringlichkeit werde der Kunde manchmal sofort informiert.”
Befinde Allemann sich auf einem öffentlichen Gelände, so sei es ihm nicht erlaubt, die Personalien aufzunehmen, es sei denn, die vorgefundenen Personen gäben diese freiwillig an. Auf Nachfrage, was seine kurioseste Begegnung war, antwortet er sogleich: “Eines Nachts entdeckte ich einen Mitarbeiter auf dem Tisch liegend, der, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, nur seinen Rausch ausgeschlafen hat”, erzählt der Securitas.

Nach einem weiteren problemlos ablaufenden Kontrollgang auf dem zweiten Firmengelände, verabschieden wir uns von Herrn Allemann, für den die Nacht noch ein wenig länger gehe. “Ich werde nun zu einer weiteren Firma gehen, dessen Gelände kontrolliert werden muss. Anschliessend habe ich eine Person zu begleiten, welche Schutz beantragt hat”, fügt Allemann hinzu. Ebenfalls müsse er noch einige Punkte abarbeiten, welche er von der Stadt Arbon aufgetragen bekommen habe: Objektschutz-Punkte, zum Beispiel am See, an öffentlichen Plätzen oder an Schulen. Bei mehr als 50 Kilometern könne er das Firmenauto benutzen, bei weniger werden ihm die Kilometer vergütet. Er hoffe, um vier Uhr morgens Zuhause zu sein. Die Tatsache, dass er dann arbeite, wenn seine Freunde und seine Familie schlafen, störe Ihn nicht besonders, denn Allemann arbeite schon sein ganzes Leben in der Nacht. Vor der Securitas habe er eine Ausbildung zum Konditor gemacht, bei der frühes Aufstehen auch dazu gehörte. ”Es ist toll, dass ich meine Kinder recht viel sehe, denn ich schlafe meist von vier Uhr bis zwölf Uhr, dann kommen sie nach Hause und ich habe den ganzen Nachmittag für sie Zeit”, so Allemann. Und seine Freunde seien ebenfalls in dem Bereich der Bewachung tätig. “Mein bester Freund arbeitet auch bei der Securitas. Dadurch, dass wir beide in der Nacht arbeiten, können wir nachmittags sehr viel Biken gehen, das ist toll!” Schlussendlich ist es eben nicht nur ein Job, sondern auch eine Lebensumstellung, mit welcher nicht jeder seiner “Freunde” klar kommt.

Tobias Allemann


Wir danken allen Beteiligten bei der Securitas Regionalstelle St. Gallen für die Ermöglichung dieser Reportage.
Für dich unterwegs waren Lynn Rissi und Marc Hanimann.

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